Freiburger Sechs-Punkte-Programm

Minimal-Anforderung an eine geglückte Hörgeräte-Anpassung

1. Rückgewinn des Lautstärkepunktes

optimaler Diskrimination unter Normalhörenden bei Wahl zuträglicher Verstärkung (in Verbindung mit Punkt 2):
Der Lautstärkepunkt optimaler Diskrimination mit Hörgerät (Einsilbertest; die Mitte zwischen Toleranzgrenze und dem hierzu in der Diskrimination um 20% verminderten Punkt geringerer Lautstärke; bei Helmkurven: Der Kulminationspunkt optimaler Diskrimination) liegt bei 80 dB/I.
PS1: Das optimale Verständnis fliessender Sprache liegt bei 65 dB/F, dasjenige für die schwierigen Einsilber um 10 dB höher bei 75 dB/F. Infolge der um rund 5 dB rascheren Impuls-Anzeigeart ergeben sich letztlich 80 dB/I als Punkt optimaler Diskrimination für Einsilber.
PS2: Bei Plateaukurven ist ein Vergleich mit dBopt nicht statthaft.

2. Gewinn an Lautstärke

bei Wahl zuträglicher Verstärkung:
Mindestens um 10 dB verbesserter Hörverlust für Sprache (Zahlentest).
Ausnahme: Diskriminationsgewinn höher als 20%.

3. Gewinn an Diskrimination

durch Wahl geeigneter Frequenzkorrektur und Ausgangsleistung:
Keine Verschlechterung des ursprünglichen Diskriminationsverlustes.
Ausnahme: Verschlechterung trotz Erprobung mehrerer Hörgeräte oder Lautstärkegewinn höher als 30 dB.

4. Gewinn an Diskriminationsanstieg

durch Wahl geeigneter Frequenzkorrektur (System Isophonen-Differenzmaß):
Steiler verlaufende und enger beisammen liegende Verständnisskurven des Zahlen- und Einsilbertestes.

5. Erhalt der Toleranz gegen hohe Lautstärken

durch Wahl geeigneter maximaler Ausgangsleistung des Hörgeräts (PC):
Toleranztest mit Hörgerät (Einsilber) liegt im Bereich von mindestens 90 dB/I (bei Kindern, nervösen oder alten Menschen 5 bis 10 dB mehr), höchstens jedoch 105 dB/I.

6. Gewinn an Dynamikbreite

durch Wahl geeigneter automatischer Regelung des Hörgeräts (AGC):
Keine Rückläufigkeit der Diskrimination bei hohen Lautstärken (keine "Helmkurve").